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Kältere Schichten der Lust
Anja ist eine Frau aus Halberstadt, sie steckt in Funktionskleidung und verbringt ihren Sommer in Schweden. Genauer gesagt in einem schwedischen Kanu-Camp. Woche für Woche karren dort Busse aus Berlin Jugendliche in Scharen an. Null-Komfort verspricht die Werbung.











Doch um die Sommergäste geht es nur am Rande. Vielmehr wird der Mikrokosmos der dort Angestellten ausgeleuchtet. Denn im Zeltlager gibt es unter den im Alltag gescheiterten und zumeist ostdeutschen Existenzen eine feste Rang-Ordnung. Ins Wanken gerät Anjas Welt, und damit auch die der anderen Teamer_innen, als Siri auftritt. Eine elfenhafte Frau in einem wehenden Sommerkleid steigt am Ufer aus einem See, trifft auf Anja und nennt sie „Schmoll“. Zunächst wehrt sich Anja, sagt dass sie keinen kenne, der Schmoll hieße, will deutlich machen, dass sie eine Frau ist, doch Siri zeigt kein Pardon. Es ist ein Spiel mit Fantasien, die zu Realitäten werden. Die verwirren und doch völlig klar sind, die Ordnungen durcheinander werfen und doch sortieren. Es geht um Frau und Frau und den Mann in der Frau, um das große Spiel, das einmal anders funktioniert und um Arbeitsgefüge, Alternativen und Ausweglosigkeiten. Antje Ravic Strubel hat es geschafft, in ihrem Roman „Kältere Schichten der Luft“ mit einer klaren Sprache Verwirrung zu stiften und doch alles plausibel erscheinen zu lassen, spannend zu erzählen und am Ende unerwartet eine Leiche zu präsentieren. „Kältere Schichten der Luft“ ist kein Lesbenroman, es geht um mehr als um die Liebe von Frau und Frau, und dennoch lässt es sich wunderbar hineinfallen in eine Liebesbeziehung der besonderen Art. Ein wunderbares Buch für sonniges Wetter am Badesee, einige Paddler_innen in der Ferne und die Sehnsucht nach Ungewöhnlichem im Sinn. Das Taschenbuch erscheint im September dieses Jahres im Fischer Verlag.

Ravic Strubel
Kältere Schichten der Luft
Fischer, 2007
Preis: 17,90 Euro