| "Who Killed Amanda Palmer" |
Wenn Bands jahrelang gemeinsam schreiben, aufnehmen, touren, muss manchmal eine Schaffenspause eingelegt werden, bevor sich alles gegenseitig an die Gurgel geht. Das stellte auch das Bostoner Punk-Cabaret Duo „The Dresden Dolls“ kürzlich fest. Während Drummer Brian Viglione deshalb mit der World Inferno/ Friendship Society musikalisch neue Wege geht, wandelt die bisexuelle Sängerin Amanda Palmer auf Solopfaden und bleibt ihrem Sound treu. "Wie die 'Dresden Dolls', aber ohne Brian am Schlagzeug" klinge ihr erstes Album, "Who Killed Amanda Palmer?", das Ende September erschien. Der Titel ist eine Anspielung auf die Fernsehserie "Twin Peaks", in der die große Frage war, wer die Homecoming-Queen Laura Palmer umgebracht hat. Ähnlich wie die meisten Dolls-Songs wird auch das Soloalbum getragen vom Piano - mal schnell und dissonant, mal langsam und traurig - und Amandas starker Stimme. Dazu gesellen sich Streicher, Schlagzeug, und mehrere Gaststars wie Sänger Ben Folds, der das Album auch produzierte, die Cellistin Zoë Keating und Annie Clark von St. Vincent. Auch die Texte sind wie gewohnt ein bisschen traurig, ein bisschen wütend, ein bisschen düster, aber ein Funken Hoffnung zieht sich doch durch das ganze Album. "Die Welt ist schlecht, aber ich lasse mich nicht unterkriegen" scheint das Motto zu sein. Der Song "Ampersand", zum Beispiel, handelt davon, sein Leben nicht nur als Hälfte eines Paars leben zu wollen und sich von falschen Freund_Innen nicht herunterziehen zu lassen, während in dem trügerisch fröhlichen "Oasis" gleich eine ganze Reihe von Katastrophen durch eine Autogrammkarte wett gemacht werden. Wütender sind Tracks wie "Guitar Hero" oder "Leeds United", in denen sie mit einer medienbesessenen Gesellschaft abrechnet, oder das bombastische "Runs in the Family", das mit dem fast schon hektischen Gesang und klirrendem Piano an den Dresden Dolls-Klassiker "Girl Anachronism" erinnert. So richtig entfaltet das Album seine Wirkung (und seinen queeren Appeal) aber erst live, wenn Amanda sich für ihre Show Performance-Künstler auf die Bühne holt und lebende Statuen den Raum schmücken. Da werden bei "Coin-Operated Boy" Küsse verkauft, zu "Guitar Hero" rockt sie mit Ukulele, und insbesondere der Spoken-Word Teil von "Strength Through Music", einem Song über das Massaker in Columbine, lässt dem Publikum Schauer über den Rücken laufen. Leider ist ihre Deutschland-Tour schon vorbei, aber die nächste kommt bestimmt...CD - "Who Killed Amanda Palmer?" Amanda Palmer September 2008 Preis: 18,45 € |



