| Die Beschützerin |
“Ich – äh... habe schon viel von ihnen gehört“, stotterte Lena unbeholfen und hätte sich sofort am liebsten auf die Zunge gebissen. Was redete sie da für einen Mist? Aber die Frau ging auch gar nicht darauf ein. „Sie arbeiten nicht im Polizeidienst“, schlussfolgerte Beringer ruhig, nachdem sie ihren schmuddeligen Overall
registriert hatte. „Nein“, erklärte der Chef, ehe Lena etwas sagen konnte. „Sie ist Mechanikerin für den Fuhrpark.“ Beringer blickte ihn an, und ihre Brauen zogen sich ein winziges, kaum merkliches, aber eindeutig missbilligendes Stück zusammen. „Eine Mechanikerin“, wiederholte sie, und obwohl sich ihr Ton nicht änderte, wirkte er plötzlich ungeduldig. Oder bildete Lena sich das nur ein? „Diese Idee gefällt mir nicht.“ Die Idee, die Karen Beringer hier nicht gefällt, ist die, dass Automechanikerin Lena Falk ihr, einer Undercover-Ermittlerin, Schutz gewähren soll. Karen, deren Deckung in einem Fall aufgeflogen ist und die nun in Lebensgefahr schwebt, soll von Lena an einem sicheren Ort versteckt werden. Dass ihr das nicht passt, lässt sie Lena anfangs auch zur Genüge spüren. Lenas Selbstschutzmechanismen, die bei all der Entwürdigung ihrer selbst und ihrer Arbeit einsetzen müssten, tun dies erwartungsgemäß nicht, und so kommt, was kommen muss - sie verguckt sich in Karen, an deren Unnahbarkeit sie jedoch zunächst scheitert. Doch wie gesagt, nur zunächst. Ganz langsam und schrittweise schafft Lena es, Karen näher zu kommen und sie, wenn auch nur ansatzweise, zu ergründen. Doch bei all der Zärtlichkeit und Lust, die sich bei beiden einstellt, ist Lena sich doch dessen bewusst, dass eine Beziehung mit einer Polizistin aus Leib und Seele, wie Karen eine ist, sehr schwer, wenn nicht nahezu ausgeschlossen ist. Um nicht zu viel zu verraten und die Lust am Lesen zu erhalten, sei hier nur noch gesagt, dass „Die Beschützerin“ ein Lesb’ Noir ist „und wie in einem klassischen Film Noir finden Liebe, Gefahr und Action ihren Höhepunkt in einem rasanten Showdown.“ Dieses 294-Seiten-Buch liest sich bequem in ein paar Stunden und ist bestimmt auch für diejenigen unter euch interessant, die mit Krimis sonst gar nichts am Hut haben. Die Autorin schafft es, in kürzester Zeit eine Erwartungshaltung und Spannung bei den Leser_innen aufzubauen, die im Verlauf der Handlung nahezu konstant bleiben und die Versuchung aufwerfen, das Buch in einem Zug zu lesen und irgendetwas anderes dafür ausfallen zu lassen. Also, viel Spaß beim Lesen! Regina Beyer |




“Ich – äh... habe schon viel von ihnen gehört“, stotterte Lena unbeholfen und hätte sich sofort am liebsten auf die Zunge gebissen. Was redete sie da für einen Mist? Aber die Frau ging auch gar nicht darauf ein. „Sie arbeiten nicht im Polizeidienst“, schlussfolgerte Beringer ruhig, nachdem sie ihren schmuddeligen Overall
registriert hatte. „Nein“, erklärte der Chef, ehe Lena etwas sagen konnte. „Sie ist Mechanikerin für den Fuhrpark.“ Beringer blickte ihn an, und ihre Brauen zogen sich ein winziges, kaum merkliches, aber eindeutig missbilligendes Stück zusammen. „Eine Mechanikerin“, wiederholte sie, und obwohl sich ihr Ton nicht änderte, wirkte er plötzlich ungeduldig. Oder bildete Lena sich das nur ein? „Diese Idee gefällt mir nicht.“